Iserlohn, Im Tückwinkel7, Villa Heutelbeck, Zustand 2005

Iserlohn, Villa Heutelbeck, Zustand 2005

Iserlohn, Villa Heutelbeck, Einfahrt mit Tor, Zustand 2005

Villa Heutelbeck

Im Tückwinkel 7, 58636 Iserlohn

Legende für Merkmale

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IconObjekt ist denkmalgeschützt

IconObjekt ist als Kulturdenkmal auf der Liste der UNESCO-Weltkulturerbe verzeichnet

IconObjekt wurde umgebaut, saniert oder erweitert

IconObjekt der Route der Wohnkultur

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denkmalgeschütztes Objekt

1924-26

Moderne

Bensel und Kamps

Otto Heutelbeck

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Villa Heutelbeck

Ein wahres Schmuckstück der Moderne hat sich der Unternehmer Otto Heutelbeck in Iserlohn bauen lassen! Dass er dafür die Hamburger Architekten Carl G. Bensel und Johann Kamps gewinnen konnte, mag dem Umstand geschuldet sein, dass Bensel gebürtiger Iserlohner ist. Allerdings wird noch weitaus wichtiger für die Architekten gewesen sein, dass der Bauherr Heutelbeck dem Ergebnis nach zu schließen den Architekten wohl relativ freie Hand ließ. Allein die Größe des Anwesens verrät, dass hier viel Geld in die Hand genommen wurde um eine Villa zu errichten, die den damals allermodernsten Standards entsprechen sollte – daran gemessen, dass der Bauherr Kaufhausunternehmer in der Textilbranche war, verwundert dies nicht! Die Villa steht raumaufgreifend auf dem abschüssigen parkähnlichen Grundstück. Die terrassierte Gestaltung der Gartenfassade entfaltet aus der Untersicht heraus eine monumentale Wirkung, die zugleich nicht erdrückend oder einschüchternd wirkt. Im Gegenteil, die geschickt komponierten Elemente erzeugen ein rhythmisches Zusammenspiel aus Horizontalen und Vertikalen, aus rechtem Winkel und Halbrund, aus Mauerfläche und Fensteröffnung. Dadurch sieht das Haus aus jeder Perspektive anders aus. Von der Straße aus ist es allerdings nur schwer einsehbar. Hohe Hecken und ein Eisentor verhindern Ausblicke auf dieses ansprechende Beispiel moderner Architektur der 1920er Jahre. Bis ins kleinste Detail wurde hier kunstvoll gestaltet: bereits die Lampen neben dem Grundstückstor beeindrucken durch ihre ansprechende Form: dünne Eisenstreben ergeben eine Laterne, die durch an zwei Seiten angesetzte Quader genau wie die Villa mit der Zusammensetzung von Räumen und Ebenen spielt.

Als Material haben Bensel und Kamps wie bei vielen ihrer Bauten Klinker und Naturstein gewählt. Die rötlich changierenden Farbtöne der Klinker verleihen dem Gebäude eine dezente Bewegtheit, die sich gut in die reiche Flora der Gartenanlagen einpasst. Die Fensterrahmungen heben sich von der Klinkerfassade effektvoll ab. Besonders ungewöhnlich sind die Kaminabzüge, die von dreieckigen Aufsätzen bekrönt werden. Von der mit Sternmuster versehenen Regenrinne bis hin zum Schornstein wurde hier also auf Dekor Wert gelegt, das auch ungewöhnliche Stellen ziert.

Die Liebe zum Detail geht auch im Innenraum des Haues weiter. Wertvolle Intarsien an Schränken, die die Initialen des Bauherren wiedergeben, lassen keinen Zweifel daran aufkommen, dass sich dieser hier eine ideale Verbindung von Kunst und Repräsentation umsetzen ließ. Und auch die technische Ausstattung der Villa zeugt von kostspieligen Aufträgen: ausgeklügelte Belüftungssysteme im Keller versorgten nebenbei eine Minibar im Wohnraum mit der erforderlichen Kühlung und ein zentrales Staubsaugersystem und ein Wäschetrocknerschrank werden die Arbeit des Personals vergleichsweise luxuriös, zumindest aber etwas leichter gemacht haben. In den wirtschaftlich extremen Zeiten der Zwischenkriegszeit, in denen die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinander ging, war dies keine Selbstverständlichkeit. Doch gerade unter Textilfabrikanten war es damals geradezu en vogue eine Villa im Stil des Neuen Bauens zu bewohnen. Dem Architekturliebhaber eröffnen sich sogleich Parallelen zu Ikonen der 1920er Jahre. Den Vergleich zu berühmten Architekten des 20. Jahrhunderts wie etwa Mies van der Rohe, der mehrfach für Textilindustrielle tätig war, müssen Bensel und Kamps jedenfalls nicht scheuen. Vielmehr darf die Frage gestellt werden, warum dieses Haus bislang nicht einen ebenso ikonischen Status zugesprochen bekommen hat wie es bei den Häusern Mies van der Rohes geschehen ist. Verdient hätte die Villa Heutelbeck es auf jeden Fall!

Autor: Dr. Viviane Taubert, Dr. Stephan Strauß (Strauß Fischer Historische Bauwerke, Krefeld/Bremen), im Auftrag der LWL-DLBW
Zuletzt geändert am 22.04.2020

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Kategorien:
Architektur » Wohnbauten » Herrenhäuser/Villen

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