Bielefeld, Villa Delius, Ansicht von Südosten

Bielefeld, Villa Delius, Straßenseite

Bielefeld, Villa Delius, Ansicht von Osten

Bielefeld, Villa Delius, Ansicht von Süden

Bielefeld, Villa Delius, Ansicht von Südwesten

Bielefeld, Villa Delius, Terasse und Balkon im Detail

Bielefeld, Villa Delius, Haupteingang

Villa Delius

Dornberger Str. 184, 33619 Bielefeld

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denkmalgeschütztes Objekt

1928

Moderne

Richard Woernle

Fritz Delius

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Villa Delius

Für den Bau seines Wohnhauses hat der Bielefelder Fabrikdirektor Fritz Delius Richard Woernle ausgewählt, seines Zeichens Direktor der dortigen Kunstgewerbeschule. Woernle war ein Förderer der Bielefelder Kunstszene der 1920er Jahre. Als Mitbegründer des "Freundeskreises des Bielefelder Kunsthauses", das sich der Präsentation und Förderung der Modernen Kunst verschrieben hatte, verkehrte er in Künstlerkreisen. Zu den Künstlern, die das Bielefelder Kunsthaus ausstellte, gehörten die großen Namen der Moderne: Lyonel Feininger, Lovis Corinth, Käthe Kollwitz, Karl Schmitt-Rottluff und viele weitere trugen dazu bei, dass sich in Bielefeld ein breites Publikum für die künstlerische Avantgarde einfand. Fritz Delius' Bruder war auf diesen Wegen mit Woernle gut bekannt, wodurch vermutlich der Kontakt zwischen Bauherr und Architekt zustande kam.

Fritz Delius selbst hatte seit 1923 den Posten als Direktor der "Kochs Adlernähmaschinenwerke" inne. Die Position an der Spitze eines Unternehmens, das Delius durch die wirtschaftlich schwierigen Zeiten der Inflation ohne allzu große Verluste manövrieren konnte, erlaubte es ihm, sich eine Villa bauen zu lassen. Der aus Süddeutschland stammende Woernle hatte kurz zuvor bereits ein Gebäude in Bielefeld realisiert: die Privatklinik des Frauenarztes Theodor Bleek, ein eher gemäßigt moderner Entwurf mit einem klassischen Walmdach. Der Villa Delius sieht man ihre Bestrebungen die Moderne nicht nur in der Kunst, sondern auch in der Baukunst nach Bielefeld zu bringen, da schon wesentlich offensichtlicher an: Woernle setzt mehrere Baukörper unterschiedlicher Größe und Ausrichtung so zueinander, dass jede Hausseite eine andere Ansicht ergibt. Diese Verschachtelung der Baukörper bewirkt beispielsweise, dass auf den ersten Blick nicht klar ist, wie viele Geschosse das Haus hat. Die Gartenterrasse wird von einem großen, schlichten Vordach begrenzt, sodass die Terrasse wie ein weiterer Baukörper ohne Wände wirkt.

Man merkt der Villa Delius an, dass Woernle sie von innen nach außen gestaltet hat. Das bedeutet, dass sich der Grundriss und die unregelmäßig aneinander gesetzten Bauteile nach der Innenraumaufteilung richten. Wo es früher galt, zuerst die Fassade eines Hauses zu entwerfen und den Fenstern, Treppenhäusern und Eingängen im zweiten Schritt Räume zuzuweisen, verfolgte die Architektur der Moderne eine andere Herangehensweise. Die Größe der Räume und ihre Lage im Grundriss bestimmten, wo Fenster und Türen eingeschnitten werden mussten. Wohnzimmerfenster durften größere Formate haben als Küchenfenster, Badezimmer erhielten nun häufig schmale Oberlichter. Und jedem Raum wurde die Fläche zugestanden, die er benötigte. Dadurch änderten sich zwangsläufig sowohl die Fassadengestaltung des Hauses als auch der Grundriss selbst. Die Form des Hauses wurde in der Moderne Diener der Funktion, eine Direktive, die wir heute vor allem unter dem Schlagwort "form follows function" kennen.

Ein weiteres wesentliches Element der Architektur des Neuen Bauens war das Flachdach das sich hervorragend für Dachterrassen eignete. So auch in der Villa Delius, deren zweifach gestaffelte Dachfläche hierfür vortrefflich geeignet war. An hohen Metallrahmen konnten Vorhänge gegen die Sonne angebracht werden – die vielleicht auf einer Adlernähmaschine genäht wurden.

Die Villa Delius ist ein seltenes Beispiel moderner Architektur in Bielefeld. Doch Folgeaufträge für Woernle blieben aus. Als Grund dafür hat Woernle einst die Villa Delius genannt. Für die ansonsten so avantgardistisch orientierte Bielefelder Mittel- und Oberschicht war es vermutlich eine Sache, die Gemälde und Skulpturen moderner Künstler im Kunsthaus zu bestaunen. In moderner Baukunst zu wohnen stand aber wohl auf einem ganz anderen Blatt.

Autor: Dr. Viviane Taubert, Dr. Stephan Strauß (Strauß Fischer Historische Bauwerke, Krefeld/Bremen), im Auftrag der LWL-DLBW
Zuletzt geändert am 23.05.2019

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