turmartiges Etagenwohnhaus in der Siedlung Grüngürtel

Platzgestaltung in der Siedlung Grüngürtel

Häuserzeile in der Siedlung Grüngürtel

Siedlung Grüngürtel Düren

zwischen Brücken-, Blücher- u. Heinrich-Dauer-Straße, Meiringplatz und Schoellerstraße, 52351 Düren

Legende für Merkmale

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IconObjekt ist als Kulturdenkmal auf der Liste der UNESCO-Weltkulturerbe verzeichnet

IconObjekt wurde umgebaut, saniert oder erweitert

IconObjekt der Route der Wohnkultur

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denkmalgeschütztes Objekt

1914–1932

Moderne

Städtisches Hochbauamt Düren
Heinrich Dauer
(Architekt)
Max Ernst Schneiders
(Architekt)
Josef Curtius
(Architekt)

Stadt Düren, Gemeinnütziger Dürener Bauverein für Arbeiterwohnungen AG, Siedlungsgenossenschaft für Stadt und Kreis Düren eGmbH

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Siedlung Grüngürtel Düren

Hintergrund der großangelegten Dürener Stadterweiterung, die zwischen 1914 und 1932 in drei Etappen entstand, war der Mangel an Wohnraum im wachsenden Industriestandort Düren. Zwischen ca. 1850 und 1910 war die Bevölkerung von knapp 10.000 auf mehr als 30.000 Einwohner gestiegen, vor allem aufgrund des Zuzugs von Industriearbeitern. Unhygienische und beengte Wohnverhältnisse drohten, die körperliche und mentale Gesundheit ihrer Bewohner zu gefährden. Auf städtischer Seite ergriff Oberbürgermeister August Klotz mit Heinrich Dauer, damals Stadtbaumeister und Leiter des Hochbauamtes, die Initiative zur Besserung der prekären Lage. Die Wohnungen bzw. Häuser sollten Gärten haben und Zuschnitte, die sich an den Bedürfnissen der Bewohner orientierten. Straßen und Plätze sollten gut durchlüftet und begrünt sein, und mit der Unterscheidung von Verkehrsstraßen und Wohn- und Spielstraßen versprach man sich mehr Ruhe und Verkehrssicherheit.

Die Häuser an der Brücken- und Fröbelstraße und um den Freiheitsplatz gehören zum ersten Bauabschnitt der vielgestaltigen Siedlung. Ab 1914 entstanden nach Dauers Planung schmale, zweigeschossige Einfamilienhäuser. Sie sind in traditioneller Formensprache erbaut: Mit Reminiszenzen an die Architektur holländischer Städte des 17. Jahrhunderts weisen sie zugleich deutliche Bezüge zur Reformarchitektur und zur Gartenstadtidee auf.

Die nächste Bauphase begann 1924. Innerhalb von fünf Jahren wurden die Straßenzüge zwischen Meiringplatz, Antonius- und Werderstraße errichtet. Zu dieser Etappe gehörte auch die Anlage des namengebenden Grüngürtels, der öffentliche Bauten wie Schule, Kindergarten und Kirche aufnehmen und sich ursprünglich noch weiter nach Osten erstrecken sollte. (Die Gebäude wurden jedoch erst nach dem Zweiten Weltkrieg und im Detail nicht nach den Planungen Dauers verwirklicht.) Jetzt wurden aus wirtschaftlichen Gründen vorwiegend zwei- bis dreigeschossige Mehrfamilienhäuser gebaut. Der Backsteinexpressionismus bestimmt mit kantigen Formen die Erscheinung dieses Bereichs. Das Kristalline ist ein hervortretendes Merkmal, das sich auch in der handwerklich gekonnten Versatztechnik des Backsteins mit horizontalen Profilbändern und weiteren Zierformen zeigt.

Einzigartig war in diesem Siedlungsbereich jedoch die seinerzeit vollkommen überraschende und fantasievolle Art der Platzinszenierung. Durch die leicht schräg gestellten Häuserfronten erweitern sich die Wohnstraßen zu Plätzen in Trapezform, zu Ovalen, Dreiecken oder gestuften Rechtecken. Dort wo sie sich verengen, stehen markante Bauten, deren Gebäudeecken zur Straße weisen. An anderen Stellen durchbrechen runde Pavillons die scharfkantigen Strukturen. So entsteht ein bewegter Wechsel von Plätzen und platzartigen Straßen. In den Blickachsen stehen Solitäre, wie das „Bügeleisen“ genannte turmartige Etagenwohnhaus am Meiringplatz oder durch die Fassadengestaltung hervorgehobene Bauten. Das Wegenetz wird vervollständigt durch untergeordnete Durchgänge, die die nord-südlich verlaufenden Straßen in ost-westlicher Richtung verbinden. Sie erlauben, von brusthohen Backsteinmauern eingefasst, Blicke in die weitläufigen Gemeinschaftsgärten zwischen den Gebäuderiegeln.

Der dritte und letzte Bauabschnitt entstand ab 1930 entlang der Blücherstraße. Wie in den vorangegangenen Phasen wurde roter Backstein verwendet. Ein kleines Detail im Mauerwerk, das im Grüngürtel schon um die Mitte der 1920er Jahre angewandt wurde, erscheint hier als besonders folgerichtig: Die horizontalen Fugen sind gelblich-sandfarben, die vertikalen Fugen rot eingefärbt. So verstärkt sich optisch der Eindruck der flach gelagerten, kubischen Gebäudeformen mit ihrer strengen Betonung der Horizontalen. Die gänzlich schlichten Baukörper sind minimal durch die Treppeneingänge und die darüber befindlichen, abwechselnd gestellten und gelegten Fenster rhythmisiert. Der Funktionalismus war in der Grüngürtel-Siedlung angekommen.

Für die Häuser und Wohnungen wurden entsprechend der Bewohnerschaft vier Typengrundrisse entwickelt. Die Arbeiterwohnungen, mit ca. 50 Quadratmetern für eine sechsköpfige Familie, hatten eine zentrale Wohnküche und eine Kachelofenzentralheizung. Die Bauten wurden wegen ihrer zu geringen Größe heftig abgelehnt. Mit Musterwohnungen versuchte man potenzielle Bewohner davon zu überzeugen, dass die Räume mit dem passenden Mobiliar durchaus zweckmäßig einzurichten seien.

Autor: Birgit Gropp
Zuletzt geändert am 04.07.2019

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