Warendorf, Warendorfer Str. 86, Villa Sendker, Haupteingangsseite

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Warendorf, Warendorfer Str. 86, Villa Sendker, Detail Haupteingangsseite

Warendorf, Warendorfer Str. 86, Villa Sendker, Haupteingang

Warendorf, Warendorfer Str. 86, Villa Sendker, Fenster Eingangsseite

Villa Sendker

Warendorfer Str. 86, 48231 Warendorf

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denkmalgeschütztes Objekt

Moderne

Emil Pohle

Theodor Sendker

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Villa Sendker

Die Villa Senker im Warendorfer Ortsteil Freckenhorst ist ein kurioses Gebäude. Sie ist gewissermaßen ein Wanderer zwischen den Welten. Vieles an ihr zeugt eindeutig von der gestalterischen Avantgarde der 1920er und 1930er Jahre. Anderes wiederum mag so gar nicht in diese Form passen, und so kommt es in der Gesamtbetrachtung des Hauses zu Irritationen, die sich gegen die klaren Linien der Architektur der Moderne zu wehren scheinen. Der zweigeschossige langgestreckte Baukörper scheint nicht mit dem ihm aufgesetzten Walmdach zu harmonieren, die schmalen, hochrechteckigen Fenster im Obergeschoss wirken sehr reduziert. Um einen vorgesetzten Kubus im Erdgeschoss legt sich wiederum ein großes Fensterband, das mehr Fläche einnimmt als die rahmenden Backsteine. Im Inneren überrascht die Gästetoilette mit einer außergewöhnlichen Form: dem kreisrunden Grundriss des Raumes unterwirft sich auch die Tür, die konvex in den Flur aufschwingt. Die rückwärtige Ansicht des Hauses steht wiederum im Kontrast zur Eingangsseite: längsrechteckige Fenster bestimmen die Gliederung des Obergeschosses und werden sogar noch im Dachgeschoss aufgegriffen. Kurzum: die Villa Sendker ist ein komplexes Bauwerk. Es handelt sich um einen wahrhaft singulären Bau der Moderne, die, wie an diesem Beispiel deutlich wird, den Sprung in die Provinz erst etwas später schaffte als anderswo. Nichtsdestotrotz ist die Qualität des Hauses hoch. Der Möbelfabrikant Theodor Sendker wollte in diesem Anwesen seine Rente genießen. Dafür hatte er den renommierten Architekten Emil Pohle aus Dortmund beauftragt. Man kannte sich: Die Firma Sendker stattete zu Beginn der 1920er Jahre die Villa Klönne in Dortmund aus, die Pohle gebaut hatte. Pohles Werk zeichnet sich durch Formenreichtum aus. Das 1923 errichtete Lueg-Haus in Bochum entspricht der zeittypischen Bauweise moderner Geschäftshäuser, während die Villa Klönne nur ein Jahr später eine sehr viel klassischere Ausrichtung demonstriert. Pohles Architektur orientiert sich weniger an den brandneuen Entwicklungen des Neuen Bauens, dessen Protagonisten wie Mies van der Rohe und Walter Gropius mittels Stahlbeton völlig neue Entwürfe umsetzen konnten. Stattdessen arbeitet Pohle in der Tradition von Peter Behrens an der Verbindung monumentaler Fassaden mit reduzierten Formen und Ornamenten. Unter diesen Aspekten fügt sich die Villa Sendker idealtypisch in Pohles gestalterische Linie.

Die Innenräume der Villa richten sich zudem nach den Anforderungen eines Wohnhauses, das zugleich als repräsentatives Haus für geschäftliche Besuche dienen sollte. Die Ausstattung des Hauses übernahm selbstverständlich die Firma Sendker selbst. Pohle hatte hierfür die Entwürfe für Türen, Einbauschränke und Möbel geliefert. Darunter waren auch extravagante Details, wie ein mehrfarbiger Parkettboden. Dem gegenüber standen traditionelle Ausstattungsmerkmale wie ein westfälischer Kamin im Herrenzimmer – ebenjener Raum, der in dem Kubus mit der großen Fensterfläche eingerichtet wurde.

Die Formenvielfalt der Villa Sendker mag auch prägend gewesen sein für einen der beiden Söhne des Bauherren. Hendirk Sendker war nach seiner Ausbildung zum Tischlermeister Schüler am Bauhaus in Dessau. Er baute sich Mitte der 1930er Jahre ein kleines Wohnhaus in Warendorf, das er selber ausstattete. Auch für seine späteren Entwürfe für Interieurs in New York legte er einen bemerkenswerten Formenreichtum zutage, der von einer freien, fast spielerischen Kreativität zeugt.

Man mag der Villa Sendker vorwerfen sie sei stilistisch zwischen allen Stühlen. Doch genau darin liegt ihre eigentliche Stärke. Pohle hat mit der Villa Sendker bewiesen, dass ein zeitgemäßer Entwurf in der Moderne nicht dogmatisch einer bestimmten Linie folgen musste, sondern Raum für Raum, Fassade für Fassade eine gestalterische Lösung bieten kann.

Autor: Dr. Viviane Taubert, Dr. Stephan Strauß (Strauß Fischer Historische Bauwerke, Krefeld/Bremen), im Auftrag der LWL-DLBW
Zuletzt geändert am 03.06.2019

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Architektur » Wohnbauten » Herrenhäuser/Villen

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