Gütersloh, Am Parkbad 7, Parkbad Gütersloh, Eingangsbereich

Gütersloh, Am Parkbad 7, Parkbad Gütersloh, Ansicht auf das Becken

Gütersloh, Am Parkbad 7, Parkbad Gütersloh, Eingang

Gütersloh, Am Parkbad 7, Parkbad Gütersloh, Detail Eingang

Gütersloh, Am Parkbad 7, Parkbad Gütersloh, Rückansicht mit Becken und Sprungturm

Gütersloh, Am Parkbad 7, Parkbad Gütersloh, Detail Rückansicht mit Laubengang

Parkbad Gütersloh

Am Parkbad 7, 33332 Gütersloh

Legende für Merkmale

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IconObjekt ist als Kulturdenkmal auf der Liste der UNESCO-Weltkulturerbe verzeichnet

IconObjekt wurde umgebaut, saniert oder erweitert

IconObjekt der Route der Wohnkultur

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denkmalgeschütztes Objekt

1928

Moderne

Paul Heidrich

Parkbad Gütersloh e.V.

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Parkbad Gütersloh

Das Parkbad in Gütersloh wurde vom 1925 gegründeten Verein "Parkbad Gütersloh" geplant und gebaut. Spenden von ortsansässigen Firmen wie etwa der Wolf Seil- und Drahtwerke und Miele sorgten für die Finanzierung. Damit war das Parkbad von vornherein keines der vielen städtischen und kommunalen Schwimmbäder, die in den 20er Jahren geradezu aus dem Boden schossen, sondern ein privates Bad. Für den Boom im Schwimmbadbau in den 20er Jahren waren vor allem zwei Faktoren wichtig: zum einen gewann Schwimmen als körperliche Ertüchtigung an Bedeutung, die eine gesündere, natürlichere Lebensweise des Menschen anstrebte. Seit der Jahrhundertwende hatte sich durch die Reformbewegungen eine Körperkultur entwickelt, die zuweilen zum Körperkult geriet. Schwimmbäder waren in diesem Kontext ideale Orte, da sie in ihren Räumlichkeiten nicht nur das Schwimmbecken, sondern auch weitere Funktionen unterbringen konnten. Viele Schwimmbäder verfügten über Friseure, Gymnastikräume, verschiedene Arten von Wannen- und Duschbädern und über Areale für das sogenannte Luftbaden. Schwimmbäder waren in den 1920er Jahren wichtige Institutionen der Hygieneförderung, deren Wichtigkeit gerade erst erkannt wurde.

Zum anderen hatten Änderungen im Arbeitsrecht zur Folge, dass sich eine Freizeitkultur etablieren konnte, auch wenn sich diese aufgrund der bis in die 1930er Jahre üblichen Sechs-Tage-Woche zunächst auf den Sonntag beschränken musste. Die Einrichtung von Schwimmbädern konnte schließlich auch all jenen ein Badevergnügen ermöglichen, die nicht in der Nähe von Flüssen oder Seen lebten. Häufig wurden Freibäder in der Nähe kleinerer Bäche errichtet, so auch das Parkbad in Gütersloh an der Dalke.

Mit dem Entwurf wurde der Bielefelder Architekt Paul Heidrich beauftragt, über dessen Ausbildung und Lebenslauf wir heute kaum noch etwas wissen. Das Ensemble des Parkbads besteht aus einem 50 Meter-Becken, einem sogenannten Kinderplanschteich und einem längsrechteckigen Gebäude, das sich an der Stirnseite des Schwimmbeckens erstreckt. Das Schwimmbecken verfügte über zwei Sprungtürme und eine Rutsche, es gibt eine große Liegewiese, und neben dem Kinderbecken hat man eine Sanddüne aufgeschüttet.

Der Eingang zum Schwimmbad erfolgt durch das Gebäude, in dem neben den Umkleiden und Duschen auch Räume für den Bademeister, einen Arzt und für Vereine untergebracht waren. An der Eingangsseite prangt in großen Lettern der Schriftzug Parkbad Gütersloh. Die Schriftart wurde vermutlich eigens für das Parkbad entwickelt, ein nicht ungewöhnlicher Vorgang unter Architekten und Gestaltern der 1920er Jahre, die häufig in einer umfassenden Ausbildung auch den Entwurf von Schrifttypen gelernt haben.

Zwei getrennte Eingänge ermöglichten einst den Zutritt zu den Damen- und Herrenumkleiden. Anders als in manchen Schwimmbädern der Moderne wurde das Becken jedoch gemeinsam genutzt. Die Eingänge zeugen von expressionistischem Formenspiel: zweifach gestuft treten sie tief hinter die Fassade zurück und werden von der Negativform eines Treppengiebels bekrönt. Ein passgenaues Fenster oberhalb der Türen greift das Muster in den Querstreben auf. Bis auf diese expressive Gestaltung der Eingänge weist das Parkbad allerdings eher schlichte Formen auf. Auf der Gebäuderückseite ist ein großer Terrassenbereich in den Baukörper eingeschnitten, der genauso breit ist wie das Schwimmbecken. In der Mitte des Gebäudes prangt eine große Uhr mit quadratischem Zifferblatt.

Über die Jahre war das Parkbad schon von Schließung und Abriss bedroht, doch es konnte gerettet werden. Durch die Verfüllung des Schwimmbeckens auf eine Wassertiefe von lediglich 30 cm kann der Betrieb weitergeführt werden als Freibad und Planschbecken für Kinder. Ein Besuch lohnt sich in den Sommermonaten allemal. Auf Schautafeln können vor Ort Fotos aus vergangenen Tagen besichtigt werden. Die historischen Aufnahmen der vollbesetzten Terrasse und von gut gefüllten Liegewiesen unterscheiden sich erfreulicherweise nur minimal vom heutigen Anblick an sonnigen Tagen.

Autor: Dr. Viviane Taubert, Dr. Stephan Strauß (Strauß Fischer Historische Bauwerke, Krefeld/Bremen), im Auftrag der LWL-DLBW
Zuletzt geändert am 17.06.2019

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